Daten und Fakten
- Innovationen als wirtschaftlicher Erfolgsschlüssel
- Das deutsche Bildungssystem im internationalen Vergleich
- Verfügbare qualifizierte Fachkräfte in Deutschland im internationalen Vergleich
- Deutsche Hochschulabgänger/-innen im internationalen Vergleich
- Das Zukunftspotenzial Abiturienten/-innen
- Frauenpartizipation im Innovationssystem
- Einstellung von Jugendlichen zu Wissenschaft und Technik
- Interesse Jugendlicher Wissenschaftler/-in zu werden
- Gründe für die niedrigen Frauenanteile in ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen und Berufen
- Das Image von Ingenieuren/-innen und der Einfluss der Medien
- Berufsrollen im deutschen Prime-Time-Programm
Innovationen als wirtschaftlicher Erfolgsschlüssel
Wohlstand, Lebensstandard und Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft hängen vom wirtschaftlichen Erfolg ab. Die Innovationsfähigkeit der führenden Industrienationen wird seit 2005 im Auftrag der Telekom-Stiftung und des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI) jährlich international vergleichend analysiert. Deutschland belegt demnach im Innovationswettbewerb der 17 weltweit führenden Industrienationen Rang 8 mit deutlichem Abstand zu den führenden Nationen Schweden, USA und Schweiz.
Quelle: Deutsche Telekom-Stiftung, BDI (Hrsg.): Innovationsindikator 2007, S. 10

Laut Innovationsindikator ergibt sich für Deutschland folgendes Stärken / Schwächenprofil.
Die deutschen Stärken
- Markterfolge mit Hightec-Produkten
- produktive Innovationslandschaft
- starke Forschung und Vernetzung
Die deutschen Schwächen
- Mangel an Risikokapital
- schlechte Bildungsqualität
- zu geringe Partizipation von Frauen im Innovationsprozess
Das deutsche Bildungssystem im internationalen Vergleich
Die Pisa-Erhebung hat die Stellung des Deutschen Bildungssystems im europäischen Vergleich in das öffentliche Bewusstsein gerückt. Auch der internationale Vergleich im Hinblick auf Bildungsinvestitionen und Leistungsfähigkeit des Bildungssystems (siehe Grafik) zeichnet kein positives Bild. Deutschland belegt lediglich einen hinteren Platz im mittleren Segment. Von 1000 Einwohnern in Deutschland sind 8 Ingenieure/innen. In Irland, Frankreich und Großbritannien sind es über 20, in den USA 11.
Quelle: Deutsche Telekom-Stiftung, BDI (Hrsg.): Innovationsindikator 2006, S. 66
Quelle: Deutsche Telekom-Stiftung, BDI (Hrsg.): Innovationsindikator 2005, S. 55

Nach den aktuellen Zahlen ist Deutschland nach wie vor "weit davon entfernt, eine leistungsfähige Talentschmiede zu sein. Denn der Innovationsindikator 2007 bescheinigt Deutschland ein weiteres Mal gravierende Defizite im Bildungssystem. Die Bundesrepublik belegt lediglich Rang 13 (Anmerkung: von 17) – mit einem großen Abstand zu den in diesem Bereich führenden Ländern."
Quelle: Deutsche Telekom-Stiftung, BDI (Hrsg.): Innovationsindikator 2007 , S. 36
Verfügbare qualifizierte Fachkräfte in Deutschland im internationalen Vergleich
Bezogen auf die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte hat sich die Situation in Deutschland von 2006, Rang 8 auf Rang13 in 2007 verschlechtert; "weit abgeschlagen hinter den führenden Nationen Schweden, Finnland und Dänemark. Diese Verschlechterung ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Deutschland bei der in diesem Jahr erstmals analysierten Struktur des Bestandes schlecht bewertet wird: Es gibt zu wenige Frauen und junge Menschen mit tertiärem Abschluss sowie zu wenig Integration von Hochqualifizierten aus anderen Ländern."
Quelle: Deutsche Telekom-Stiftung, BDI (Hrsg.): Innovationsindikator 2007 , S. 62
Deutsche Hochschulabgänger/innen im internationalen Vergleich
Die Bundesrepublik belegt im Hinblick auf den Fachkräfte-Nachwuchs in absoluten Zahlen den vorletzten Platz – nur Österreich droht ein noch schärferer Mangel an gut ausgebildeten Arbeitnehmer/-innen. Die zu geringe Anzahl an Hochschulabsolventen/innen gilt insbesondere für den natur- und ingenieurwissenschaftlichen Studienbereich.
Quelle: Deutsche Telekom-Stiftung, BDI (Hrsg.): 2006, S. 65

Ensprechend besorgt äußert sich der Vorstandsvorsitzende des deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und Vorstand Deutsche Telekom-Stiftung, Prof. Dr. Wittig:
"Das Tempo des technischen Fortschritts ist hoch; um es mitzugehen, braucht ein Land Ingenieure. Vor diesem Hintergrund muss die Entwicklung in Deutschland Sorge machen. Zumal sich die Situation durch den demographischen Wandel noch verschärfen wird – einerseits durch die hohe Zahl der Ingenieure, die in den Ruhestand gehen, andererseits durch absehbar sinkende Schüler und Studentenzahlen."
Quelle: Deutsche Telekom-Stiftung, BDI (Hrsg.): Innovationsindikator 2006, S. 66
Das Zukunftspotenzial Abiturienten/-innen
Diejenigen, die sich mit Abitur oder Fachhochschulreife für ein Studium der Ingenieur- oder Naturwissenschaften entscheiden können, werden immer weniger:
Quelle: KMK (2005), S. 75

In dem Zeitraum von 2003 – 2020 verringert sich die Anzahl der Abiturienten/-innen um 28,9%.
Verschärft wird dieses Problem zudem durch die in Deutschland besonders stark ausgeprägte Bildungsungleichheit: Kinder aus sozial schwachen, bildungsfernen Haushalten haben weitaus geringere Chancen, einen Hochschulzugang zu erreichen.
Quelle: Middendorff (2007),S. 13

Frauenpartizipation im Innovationssystem
"Wer gewinnen will, der lässt nicht die halbe Mannschaft auf der Reservebank." Dieses Zitat beschreibt die mangelnde Einbindung qualifizierter Frauen in das Innovationssystem in Deutschland. Mit Rang 11 und insgesamt nur 3,91 Punkten liegt die Bundesrepublik sehr deutlich im hinteren Mittelfeld.
Quelle:
Deutsche Telekom-Stiftung, BDI (Hrsg.): Innovationsindikator 2006, S. 99
Quelle: Deutsche Telekom-Stiftung, BDI (Hrsg.) 2006: S. 99

In den ingenieurwissenschaftlichen Kernfächern Maschinenbau und Informatik liegt der Studentinnenanteil bei 12,4% und in der Elektrotechnik bei 7,4%. In der Industrie geht der Anteil von Frauen im Maschinen- und Fahrzeugbau und in der Elektroindustrie auf 4 – 5 % zurück während ihr Anteil in der industriellen Forschung bei 12 % liegt.
Quelle: European Commission, (2003) und VDI-Monitor
Die Gründe für die mangelnde Einbindung von Frauen sind vielfältig: "...von der Einstellung der Bevölkerung zur Berufstätigkeit von Frauen, über die schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf bis hin zu Formen von Diskriminierung."
Quelle: Deutsche Telekom-Stiftung, BDI (Hrsg.) 2006: S. 99
Quelle: Deutsche Telekom-Stiftung, BDI (Hrsg.) 2006: S. 104

Einstellung von Jugendlichen zu Wissenschaft und Technik
Der international vergleichende ROSE-Survey stellt fest, dass es in allen Ländern bei Jugendlichen ein hohe Zustimmung zur gesellschaftlichen Relevanz von Wissenschaft und Technik gibt. Der Schulunterricht hingegen ist in diesen Fächern in den meisten Industrieländern aber wenig beliebt. Dies gilt insbesondere für Mädchen.


Quelle: Sjøberg, Svein & Camilla Schreiner (2005), S. 31 und S. 17
Interesse Jugendlicher, Wissenschaftler/-in zu werden
Das Interesse an wissenschaftlich-technischen Berufen variiert erheblich im internationalen Vergleich und zwischen den Geschlechtern. Deutlich zeigt sich: Geschlechterunterschiede sind kein Naturgesetz, sondern sozial und kulturell geprägt. In den Industrieländern ist das Interesse von Mädchen besonders gering, einen technischen oder wissenschaftlichen Beruf zu ergreifen.


Quelle: Sjøberg, Svein & Camilla Schreiner (2005), S. 39 + S. 40
Gründe für die niedrigen Frauenanteile in ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen und Berufen
- Mangelnde frühe Förderung in Deutschland und zumeist fehlendes korrespondierendes Schulfach für Technik
- Defizite in der naturwissenschaftlich-mathematischen Unterrichtsqualität
- Geringeres mit zunehmendes Alter abnehmendes Interesse (Pubertät als kritische Phase)
- geringeres Zutrauen in eigene Kompetenzen/ Selbstwirksamkeit
- Fehlende Unterstützung durch Schule und Elternhaus
- Mangelnde Studienattraktivität und -qualität
- Im Vergleich zu jungen Männern schlechtere Berufsausichten
- "Männliches" und "uncooles" Image des Ingenieurberufs
- Fehlende (mediale) weibliche Berufsrollen-Vorbilder
Das Image von Ingenieuren/-innen und der Einfluss der Medien
Das Image des Ingenieurberufs ist nicht negativ, aber er ist sicher kein Traumberuf und gilt auch nicht als sonderlich innovativ und kreativ. Und dies, obwohl in der Realität das Gegenteil zutrifft. Eine amerikanische Kongresskommission kommt zu der Einschätzung, dass trotz umfangreichen sozialen Wandels ein Klischee stabil geblieben ist: Wer in der IT-Branche, als Wissenschaftler/-in oder Ingenieur/-in arbeitet, gilt als intelligent, sozial unfähig und zerstreut – kurz als „geek“ oder „nerd.“ Werbung, die Unterhaltungsindustrie und die Neuen Medien spielen aus der Sicht der Kommission eine bedeutende Rolle, indem sie diese Sichtweise stützen.
Quelle: Congressional Commission on the Advancement of Women and Minorities in Engineering and Technology Development (2000)
- Serienerfolge wie LA LAW in den USA haben den Studentinnenanteil in Jura deutlich erhöht (Wasburn, Mara H. 2004).
- Britische Studenten/innen werden zunehmend von Krimis und Gerichtsdramen im Fernsehen beeinflusst und schreiben sich für Studiengänge wie Kriminalwissenschaften ein, anstatt traditionellere Studienfächer wie Chemie, Physik oder Biologie zu wählen (SEMTA 2005).
- In Belgien haben sich vor allem Doku-Soap als einflussreich auf die Zahl der Studienbewerber in den einschlägigen Fächern erwiesen (Tierärzte, Innenarchitekten) (Beullens 2005).
Berufsrollen im deutschen Prime-Time-Programm
Im deutschen Fernsehen sind Dienstleistungsberufe mit insgesamt fast 92 % deutlich überrepräsentiert, während Fertigungsberufe und technische stark unterrepräsentiert sind.
Quelle: Dostal W. & L. Troll, in ibf (2004)

Soaps werden von Jugendlichen – und besonders stark von Mädchen – als Orientierung zu Problemen genutzt und um Einblicke in das Frau- und Mannsein zu erhalten. Für Mädchen sind zudem die vielen Hauptdarstellerinnen in Soaps anziehend, weil sie interessante, handlungsbestimmende Frauenfiguren suchen.
Quelle: Götz 2002
Literaturangaben:
Beullens, Kathleen (2005):
URL http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/nano/news/69803/index.html (10.06.07).
Congressional Commission on the Advancement of Women and Minorities in Engineering and Technology Development (2000): Land of Plenty Diversity as America’s Competitive Edge in Science, Engineering and Technology 2000. Report of the Congressional Commission on the Advancement of Women and Minorities in Engineering and Technology Development. Washington
Deutsche Telekom-Stiftung, Bundesverband der deutschen Industrie (Hrsg.): Innovationsindikator 2005. [Online Document]
URL
http://www.telekom-stiftung.de/5-innovation/1-innovationsindikator-deutschland/
img/2005-broschuere.pdf(20.03.08)
Deutsche Telekom-Stiftung, Bundesverband der deutschen Industrie (Hrsg.): Innovationsindikator 2006. [Online Document]
URL http://www.telekom-stiftung.de/5-innovation/1-innovationsindikator-
deutschland/start.php (20.03.08)
Deutsche Telekom-Stiftung, Bundesverband der deutschen Industrie (Hrsg.): Innovationsindikator 2007. [Online Document]
URL
http://www.telekom-stiftung.de/5-innovation/1-innovationsindikator-deutschland/
img/071127-innovationsindikator.pdf (20.03.08)
Dostal, W. & L. Troll (2004): Die Berufswelt im Fernsehen. Folgen für das Berufsverständnis und den Berufswahlprozess?, in ibf, Nr. 24
European Commission (2003): Women in Industrial Research - Analysis of statistical data and good practices of companies, Brüssel
Götz, M. (2002): Alles Seifenblasen? Die Bedeutung von Daily Soaps im Alltag von Kindern und Jugendlichen. München
Middendorff, Elke (2007): Soziale Lage der Studierenden, 18. Sozialerhebung des DSW durchgeführt von HIS. Beitrag zur Wissenschaftskonferenz. Vom Studentenberg zum Schuldenberg? Vortrag Diemelsee. [Online Document]
URL: http://www.sozialerhebung.de/pdfs/
Vortrag_Middendorff_WiKo_Soz18_Sozialstruktur_Zeitbudget_Erwerb.pdp
KMK (2005): Veröffentlichungen Nr. 173 Kommission ausgewiesener Persönlichkeiten des Hochschulwesens 2005 (Hrsg.): Eckpunkte eines zukunftsfähigen deutschen Wissenschaftssystems. Zwölf Empfehlungen. Hannover
SEMTA (Sector Skills Council (SSC) for Science, Engineering and Manufacturing Technologies) (2005): Forensic science: Implications for Higher Education 2004, Sector Skills Council for Science, Engineering and Manufacturing
Sjøberg, Svein & Camilla Schreiner (2005): Young people and science, Attitudes, values and priorities, Evidence from the ROSE project, Keynote presentation at EU’s Science and Society Forum 2005, Brussels 811, March 2005, Session 4: Fostering diversity, inclusiveness and equality in science
Statistisches Bundesamt (2005): Ergänzende Unterlagen zur Pressekonferenz "Hochschulstandort Deutschland 2005". Aktuelle Ergebnisse aus der Studentenstatistik für das Wintersemester 2005/2006. Hochschulstatistik. Wiesbaden
VDI-Monitor: selbsterrechnete Daten über den VDI-MonitorIng-Hochschule, URL http://www.vdi.de/vdi/organisation/schnellauswahl/hauptgruppe/
berufspolitik/08411/index.php
Wasburn, M. H. (2004): Creating Positive Media Images of "Techy" Women: A Proposal to Viacom (Unpublished Paper)